Sommerferien-Leseclub


NICHTS. Was im Leben wichtig ist von Janne Teller
November 29, 2010, 10:50 am
Filed under: hautnah!

© Hanser 2010

Ein Schule nach den Sommerferien – die 7.Klasse beginnt. Doch ein Schüler verlässt die Klasse an diesem ersten Tag mit den Worten „Nichts bedeutet irgendetwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden“. Pierre Anthon klettert in den Pflaumenbaum, weder Steine noch Argumente können ihn dazu bewegen, diese Kanzel des Nihilismus zu verlassen.
Die Klasse hat das dumpfe Gefühl, dass sie diesem Statement etwas entgegensetzen muss und beginnt einen „Berg der Bedeutung“ in einem verlassenen Sägewerk anzuhäufen. Jeder soll etwas beisteuern, was ihm etwas bedeutet, und die anderen wachen argwöhnisch darüber, dass der Beitrag auch ein echtes Opfer ist. Jeder, der sich schon etwas vom Herzen gerissen hat, darf das Opfer des Nächsten bestimmen und nutzt die Gelegenheit, sich für den erlittenen Trennungsschmerz zu rächen. So eskalieren Absurdität und Brutalität der geforderten Opfer bis zum Verlust von Unschuld und Gliedmassen. Spätestens hier verlässt der Roman die Realität und verwandelt sich in eine Parabel, in ein „was-wäre-wenn-Spiel“, das zielstrebig auf den Tod von Pierre Anthon und Vernichtung des Sägewerkes mitsamt angehäufter Bedeutung in den Flammen* zusteuert.
Die Erkenntnis von Endlichkeit und Vergeblichkeit der menschlichen Existenz ist ein harter Brocken, der sich für sensible Gemüter als unverdaulich erweisen kann. Trotzdem sollten sich Erwachsene vor einer Konfrontation mit dem Thema nicht drücken. Bevor Sie diesen Text im Unterricht behandeln, sollten Sie sich jedoch sehr genau darüber im Klaren sein, was Sie persönlich der Vergeblichkeit und der Endlichkeit entgegenzusetzen haben. Dieser Text lässt sich nicht einfach „abhaken“, heftige Reaktionen von Schülern und eventuell sogar von Eltern sind zu erwarten und sollten in einem vertrauensvollen Umfeld besprochen werden können.

 

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